Stolpersteine in Finsterwalde neu verlegt

Erinnerungsstücke entwendet / Aktionsgemeinschaft nimmt Frevel nicht hin

  Bürgermeister Jörg Gampe bei der Neuverlegung der Stolpersteine. Foto: Jürgen Weser/jgw1
Bürgermeister Jörg Gampe bei der Neuverlegung der Stolpersteine. Foto: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Am Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus haben die Stadt Finsterwalde, eine Aktionsgemeinschaft von Bürgern und die evangelische Gemeinde zwei Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürger von Finsterwalde in der Berliner Straße vor dem ehemaligen Kaufhaus-Galliner verlegt.

Die Steine für Hanna Galliner und Dorothea Jacobsen waren symbolträchtig am 11. November 2009 im Rahmen der bundesweiten Aktion zur Erinnerung an nationalsozialistisches Unrecht gemeinsam mit sieben weiteren Steinen an vier verschiedenen Stellen der Stadt vom Kölner Künstler Günter Demning als Begründer der Aktion verlegt worden. Schon im September hatte im Beisein von Joan Friedman, der Enkelin von Martha und Emil Galliner, eine emotionale Vorverlegung stattgefunden. Mit Erschrecken musste festgestellt werden, dass zwei Stolpersteine im Oktober 2012 in einer Nachtaktion entwendet worden waren. Für die Aktionsgemeinschaft stand fest, den Frevel der bisher unaufgeklärten Tat nicht hinnehmen zu wollen und die Steine neu in Auftrag zu geben und zu verlegen.

Letzte Hand beim Einbringen der Gedenksteine legte am Mittwoch Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) an, dem unlängst seine Israel-Reise zusätzlich Mahnung war, der jüdischen Opfer des NS-Systems zu gedenken und Frevel nicht hinzunehmen. In einem von ihm verlesenen Brief bedankt sich Joan Friedmann dafür.

Im Beisein des Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen (CDU), von Pfarrer Markus Herrbruck und Andreas Holfeld (CDU) als Vorsitzendem des Kreistages und Vertretern verschiedener Fraktionen des Stadtparlaments erinnerte Museumsleiter Dr. Rainer Ernst an Kaufhausbesitzer Emil Galliner, der 1909 mit seiner Frau nach Finsterwalde gekommen war und das Kaufhaus gegründet hatte, und weitere angesehene Bürger der Stadt, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ab 1933 systematisch entrechtet, enteignet und verfolgt wurden. Dem KZ Sachsenhausen konnte Emil Galliner nur wieder entkommen, weil er eine Verzichtserklärung auf sein Eigentum abgab. Während Emil und Martha Galliner wie Dorothea Jacobsen noch aus Deutschland entkommen konnten, wählte Hanna Galliner 1941 verzweifelt den Selbstmord.

,,Stolpern mit Kopf und Herz" sollen die Menschen über die Steine, hatten Schüler 2009 bei der Erstverlegung gewünscht. Rainer Ernst und Bürgermeister Gampe waren sich einig, dass man die Erinnerung an die nationalsozialistischen Untaten bewahren und jedem Frevel an Erinnerungsstätten konsequent begegnen muss.

Am Rande der Veranstaltung machte Erika Arlt Bürgermeister Jörg Gampe mit ihrem Fotobuch zum ,,Verlorenen Zug" in Tröbitz bekannt. Die Tröbitzerin hat sich über Jahrzehnte um Pflege und Erhalt des jüdischen Friedhofs und des Dokumentationszentrums für den ,,Verlorenen Zug" bemüht.

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